Zeitungsschnipsel

Nachrichten aus der Vergangenheit

Der gestempelte Passagier

Die Welt, Freitag, 21. Dezember 1979

Irgendwie gleichen sich alle Flughäfen (Airports) in ihrer menschenfeindlichen Maschinerie, in ihrer seelenlosen Perfektion. Die fernöstlichen brillieren dazu noch mit einer Bürokratie. Diese Erfahrung macht man vor allem in der Hauptstadt Taiwans, wo das Spießrutenlaufen der Passagiere (Paxe) schon rund 90 Mi« nuten vor dem Start anfängt. In Taipeh liegt der neue Flughafen vom Zentrum 45 Kilometer entfernt, und so muß man für die Fahrt allein schon 60 Minuten rechnen, dazu eine halbe Stunde für alle Fälle. So kommen schon 180 Minuten zusammen.

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Die, drei Stunden sind dennauch voll ausgefüllt Man stellt sich an den Flugscheinschalter (Counter), wo die wenigsten warten. Ein Chinese kontrolliert Flugschein und Paß, prüft die Passagierliste — keine leichte Aufgabe bei den 300 Yuns Chings und Changs, die in einem Großraumflugzeug Platz finden, hakt ab, trägt Gewicht der Gepäckstücke ein, klebt Gepäckzettel auf, läuft zum Zentralschalten um auf dem Sitzplan einen freien Platz anzukreuzen, stellt die Bordkarte aus.

Wer diese erste Hürde genommen hat, kann sich wenigstens darüber freuen, daß er seine Koffer los ist. Sie verschwinden auf dem Förderband. Jedoch nur für kurze Zeit: Am Ende der Abfertigungshaile werden sie auf Pulte gestellt. Dort regieren Zollbeamte mit   weißer    Schirmmütze. Der Passagier muß nun seine Gepäck- stücke heraussuchen und warten; verlangt wird das Formular, das er nicht ausgefüllt hat, weil er das erstemal in diesem Lande reist und auch sonst schlecht chinesisch spricht. Auf dem Zettel wird nicht nur nach Geburtsjahr und Beruf, Adresse und Reiseziele gefragt, man muß auch Kofferinhalt angeben. Das wird dann auch nachgeprüft ! Sämtliche verschlossenen Gepäckstücke werden aufgemacht, ausgiebig durchgewühlt — erst dann kommt der erste Stempel auf die Karte.

Dann verschwindet der Koffer, und der Pax darf sich in die nächste Schlange einreihen. „Immigration and visa” — steht auf dem kleinen Häuschen, das vorerst unbesetzt erscheint. Aber man hört in regelmäßigen Ab» ständen das Dröhnen eines kräftig geschlagenen Stempels. Hinter dem Fenster sitzt ein Chinese— der zweite Stempel wird fällig. Dann kommt der Security-Check des Handgepäcks. Die Röntgenmaschine ist nicht filmsicher. Filme, Tonbänder müssen herausgenommen; dann wieder verstaut werden.- Dann sammelt eine frau in einen Beutel alle metallenen Gegenstände aus den Taschen ein. Man darf nun das „X-ray Gate*8 passieren. Plötzlich wird der Beutel wieder in die Hand und der dritte. Stempel aufs Papier gedrückt. Der Mann von der Gesundheitsbehörde, spendet den
nächsten Stempel. Wer.nicht alle
Stempel beisammen hat, verpaßt
 den Flug.

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One Response to “Der gestempelte Passagier”


  1. Cornelia Pua
    on Mar 11th, 2010
    @ 11:54 am

    Ein wirklich toller Beitrag. Ich habe ihn über google gefunden und freue mich gleich weiter lesen zu können.

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