Kölner Stadt-Anzeiger Dienstag, 26. Juni 1984
Welche Eigenschaften Ausländer an ihren deutschen Gastgebern entdecken
Der kleine Typ mit dunklem Hängeschnäuzer, Hammer und Blaumann verrenkt sich fast den Hals, um zu dem blonden Menschen hoch über Ihm aufschauen zu können. Der nämlich thront unerreichbar fern auf einem Podest mit der Aufschrift „Mensch” und tönt: „Ich verstehe nicht, warum wir nicht zusammen leben können«” Eine türkische Familie, Vater, Mutter und etliche Kinder, drängen sich auf einer winzig kleinen Insel verloren um ein Schild zusammen: „deutschland“. Ringsum nichts als plätschernde Leere.
Glaubt man der spitzen Feder des in Duisburg lebenden türkischen Zeichners Oguz Peker, steht es in deutschen Landen derzeit nicht zum Besten mit dem deutsch-türkischen Verhältnis. In einer langen Reihe von Karikaturen demonstriert er in einer Zwei-Wochen-Ausstellung der Gummersbacher Theodor-Heuss-Akademie, was Ausländer und speziell Türken bei ihren Gastgebern entdecken: Intoleranz, Borniertheit und eine gute Portion Futterneid.
Ausländer, bei Peker immer schnauzbärtig und schwarzhaarig, sind bei den blonden Herren nur willkommen, wenn sie Geld bringen oder etwa der zusammenschrumpfenden Bundeswehr wieder auf die Beine helfen können. Dann ruft der feiste Bankier „Wir lieben Sie” hinter der davonfahrenden Türken-Familie her, und der nette Herr, der dem kleinen Jungen das Schwarzhaar streichelt, sieht ihn gleichzeitig stramm, Gewehr bei Fuß, unter der bundesdeutschen Fahne salutieren. Geht es ihnen allerdings an die eigene Tasche, sind den Deutschen die Ausländer beileibe nicht mehr willkommen. Dann werden sie, zwei Koffer in der Hand, mit einem Tritt vom sinkenden Schiff „Deutschland” ins Meer befördert oder erregen den Zorn des Firmenbosses, der bei stetig sinkender Handesbilanz nur noch den einen Ausweg weiß: „Ausländer raus!”
Sie fühlen sich als „Menschen vierter Klasse”, denen am Fahrkartenschalter das Ticket zweiter Klasse verweigert wird, als Negersklaven, auch wenn ihnen, wie ein vorsichtiger Blick runter zum Schuhwerk beweist, die sichtbaren Fußfesseln fehlen. Sie werden abgelehnt (Sprechblase: „Ich weiß nichts über Ausländer. Aber trotzdem: Aus-länder raus.), ausgenutzt, bei Nicht-mehr-Bedarf ausgestoßen — und sie bleiben trotzdem.
Irgendwann, so zeigen die Zeichnungen Pekers, verlieren sie ihre Identität, sind nicht Türken, nicht Deutsche. Ein Riß geht mitten durchs Gesicht: Eine Seite ist türkisch-dunkel, eine bundesdeutsch-blond und der schon in der Bundesrepublik geborene Nachwuchs entdeckt eines Tages: „He Papa, Du bist Ausländer”.
Ob es den Verantwortlichen in der Theodor-Heuss-Akademie ein wenig zu destruktiv war, was Peker da übers deutsch-türkische Verhältnis zu Papier gebracht hatte? Eine Wand weiter hängt die Fotoausstellung von Henry Maitek: „Türkische Mitbürger in Köln”. Und hier ist überwiegend Positives abgelichtet über das Leben in der Bundesrepublik, in der es Wandmalereien mit dem Tenor „Türken raus” überhaupt nicht zu geben scheint.





Karin Friedemann
on Mar 29th, 2010
@ 6:12 am:
Hallo!
leider ist es so. Meine Vermieterin in Köln hat meinen Freund mit deutscher Genehmigung vor Gericht aus meiner Wohnung geekelt. Alle anwesenden Anwälte fanden das wohl “normal”. Er musste vorübergehend in ein Obdachlosenheim ziehen. Sie selbst hat sich dabei als Oper dargestellt. Soviel Ausländerhass habe ich zuvor noch nicht erlebt.
Ich wohne nun wieder in Berlin und bin froh, aus Köln weg zu sein. Ich hatte den Eindruck, die Kölner sind lieber unter sich und wollen generell keine anderen Menschen dort haben, außer zum Karneval, damit es viel Geld einbringt, was sowieso scheinbar das Hauptleitmotiv für alles in Köln zu sein scheint.
Grüße aus der Ferne
Karin Friedemann