NRZ Mittwoch, 4. April 1973
Die herren deutschlehrer wollen also eine recht schreibe reform machen (siehe NRZ vom 27.2.73: „Auch der Duden-Chef verlangt Reformen”)?! So, so, der „reform forderungs katalog” zeige aber, auf, wie fragwürdig das prestige der rechtschreibung, insbesondere in der schule, geworden ist.
Ich bin einigermaßen erschüttert, was und weshalb man „das prestige der rechtschreibung” ändern will, verbessern? — Mir schwant böses! Zum Schlüsse des berichtes die pädagogische katze aus dem sacke gelassen: „Allein der” verzieht auf die grossschreibung (meinen die herren deutschlehrer nicht auch, daß großschreiben’ ein besseres wort wäre?) würde die fehlerzahlen bei Schülern um etwa ein viertel verringern.”
Weil also ein paar schwerfällige spätentwickeler ein wenig langsam erfassen, was ein hauptwort ist, sollen millionen von lesern dafür bestraft werden und dulden, nämlich ein Schriftbild genommen bekommen, das das schnelle lesen ermöglicht. Es gehen also milliarden minuten verloren, weil die herren verehrten lehrer etwas rote tinte sparen zu müssen glauben!
„Sie sollen ihnen was lernen”, sagt Kleinernas mutter; dazu sind sie da und werden ganz anständig (mit recht!) belohnt, beferient und zuzüglich, sos einer versteht, auch noch studienbeurlaubt. Sie sehen das problem bloß von der her-stellerseite, vergessen den Verbraucher, den konsumenten. Es ist wahrhaft erschütternd, daß gelehrte leute sich „unabdingbar” (so, so!) „für die einführunig der gemäßigten kleinschreibuing’ aussprechen”. Trosthalber (in Wahrheit, weil schlechten gewissens) wird der schwächliche kompromiß erfunden. Dann seien sie radikal und konse-quent, lassen sie den schreibma schinen die großlettern ausoperie ren zu lasten der satzanfänge und eigennamen. Dem schriftbilde — und darauf kommts an, meine herren lehrer — wird damit auch nicht mehr geholfen!





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