Die große Kälte ist vorüber. Sagen Meteorologen. Auf bis zu 25 Grad minus ist das Thermometer in der Nacht zum Dienstag gesunken, gemessen bei Muttensweiler. Rekord. An dem sich nicht jeder freut: Zig Bahnreisende mussten wegen Verspätungen in der Kälte ausharren.
Ein winter wie aus dem Bilderbuch -schneeweiß und himmelblau, sternenklar und klirrend kalt. Am kältesten war es in der Nacht zum Dienstag: Bad Seh ussenried minus 20 Grad, Laupheim minus 22, in einer Mulde bei Muttensweiler sogar minus 25. So kalt war es noch nie in der ersten Märznacht. Zumindest nicht in der Geschichteder Wetterwarte Süd. Minus 15 Grad waren es schon mal, wie Roland Roth sagt, gemessen 1971 und 1987. Der Winter 2005 übertrifft den alten Rekord um 5 Grad. „So eine extreme Abweichung habe ich selbst noch nie erlebt.”
Die Deutsche Bahn hat mit den Folgen der Kälte zu kämpfen. In Laupheim und Biberach kam es gestern zu Weichenstörungen, die Folge: Verspätungen für Pendler von bis zu einer Stunde. Die Weichen seien zwar beheizt, aber bei den tiefen Temperaturen könne es vorkommen, dass Eisklumpen in die Weichen gerieten, die sich festklemmten, erklärt Bahn-Pressesprecher Roland Kortz. Da die Schienen dann nicht in ihre Endposition gelangen, können die Züge nicht weiterfahren. In beiden Fahrtrichtungen der Südbahn kam es deshalb gestern zu Verspätungen, insbesondere zwischen sechs und acht Uhr. Die Weichen wurden enteist, die Verspätungen zogen sich jedoch über den gesamten Vormittag hin. Am frühen Nachmittag betrugen sie noch etwa fünf Minuten. In Schemmerberg gab es gestern zudem Probleme mit der Bahnübergangsanlage. Die Ampel stand auf Dauer-Rotlicht. Ob die Kälte Ursache der Störung war, war bei der Bahn nicht bekannt. Polizei und Bundesgrenzschutz regelten den Verkehr am Bahnübergang. Die Störung war gegen 10 Uhr wieder behoben.
Geplatzte Wasserrohre, versulzte Dieselmotoren, Verspätungen im Berufsverkehr. Aber dieser Winter hat auch seine schönen Seiten. Roland Roth von der Wetterwarte Süd empfiehlt raus gehen und Sonne tanken Langlaufen, wandern, Spazieren gehen -ganz egal. Auch Landwirte dürften ihre Freude haben. „Bei dieser Kälte kommen Schädlinge nicht gut durch den Winter.” Außerdem sorgt der viele schnee im Frühjahrfürfeuchten Boden – „ein Segen für die Natur”.
Doch wer glaubt, unterm Schnee tut sich nichts, liegt daneben. Erwirkt wie eine wärmende Decke, erläutert Roland Roth. Und warnt: „Wer jetzt auf einem größeren See Schlittschuh läuft, begibt sich in Lebensgefahr.” Roth ist sicher, dass es bei der derzeitigen Wetterlage „noch lange, lange Nachtfrost gibt”. Dennoch erwarteter Ostern die ersten Frühlingsboten -Krokusse. Sein Fazit: „Dieses jahr geht derWinter nicht über Nacht, dieSonne schleckt ihn langsam weg.”





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